Kein Frieden mit dem Imperialismus!
Stoppt den Angriffskrieg!
Erklärung des AMS-Bundestreffens, 18. April 1999
Seit dem 24. März führt die NATO einen Angriffskrieg gegen die
Bundesrepublik Jugoslawien. Obwohl dieses souveräne Land kein anderes
angegriffen hat und auch der UN-Sicherheitsrat keinen entsprechenden
Beschluß gefaßt hat, ist Jugoslawien das Opfer eines massiven
Bombenkrieges, dem bereits heute weit mehr als 1000 Menschen zum Opfer gefallen
sind. Damit brechen die angreifenden imperialistischen Mächte, unter ihnen
Deutschland, nicht nur die grundlegendsten Menschenrechte ihrer Opfer, die sie
zu schützen vorgeben, sondern auch das Völkerrecht. Anders als noch
1991 im Krieg gegen den Irak verzichtet der Imperialismus heute sogar auf
dieses "legale" Mäntelchen.
Der NATO und den Regierungen der imperialistischen Mächte geht es in
keinster Weise um Menschenrechte, um das Leben der Menschen im Kosovo oder um
das Verhindern einer sog. "humanitären Katastrophe". Das
wird mit jedem Tag deutlicher. Es ist offensichtlich, daß die Fluchtwelle
erst dann die heute sichtbaren Dimensionen erreichte, als die NATO ihre
Bombenangriffe begann. Zu denen, die vor dem Krieg zwischen der jugoslawischen
Armee und Polizei auf der einen und der nationalistischen UCK auf der anderen
Seite fliehen, kommen seit dem 24. März die Menschen, die ihr Leben vor
den Luftangriffen retten wollen.
Wenn es der NATO wirklich um diese Menschen gegangen wäre,
hätte sie angesichts der Folgen ihres Angriffs den Krieg sofort
erschrocken beenden müssen. Statt dessen werden zurückkehrende
Flüchtlinge Opfer der NATO-Bomberpiloten. Die große Zahl von
Menschen, die in die anderen Teile Serbiens und nach Montenegro - also
innerhalb der Bundesrepublik Jugoslawien - geflohen sind, werden von den
Kriegsberichterstattern der praktisch gleichgeschalteten Massenmedien
bewußt verschwiegen. Die NATO instrumentalisiert die Flüchtlinge als
propagandistische Waffe gegen Jugoslawien und als "menschliche
Schutzschilde" für die in den Nachbarländern Jugoslawiens
stationierten Truppen.
Hintergrund des Krieges der NATO gegen Jugoslawien sind imperialistische
Interessen. Kosovo ist reich an - auch militärisch interessanten -
Bodenschätzen. Beispielsweise verfügt es über die
zweitgrößten Zinn-Vorkommen Europas. Nach offiziellen
Einschätzungen der NATO wäre Jugoslawien ohne Kosovo deshalb nicht
mehr in der Lage, seine Industrie- und Rüstungsproduktion
aufrechtzuerhalten. Außerdem bildet der Balkan den Brückenkopf
für den Weg der europäischen Mächte zu den Ölfeldern des
Nahen und Mittleren Ostens. Schließlich ist die Region auch für die
Einkreisung Rußlands durch die imperialistischen Mächte von
großer geostrategischer Bedeutung. Dem steht Jugoslawien als das neben
Rußland einzige europäische Land, das sich dem Diktat der
Imperialisten und ihrer internationalen Organisationen wie IWF, NATO usw. bis
heute nicht bedingungslos unterwirft, im Weg. Der Vertragsentwurf von
Rambouillet war ein Besatzungsdiktat, das ein souveräner Staat nur noch
vollständiger Kapitulation unterzeichnen kann. Er diente lediglich der
propagandistischen Vorbereitung des geplanten Angriffskrieges gegen
Jugoslawien.
Die Bundesregierung aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen, die vor
einem halben Jahr mit dem Versprechen einer "neuen Politik"
angetreten war, hat den ersten Angriffskrieg Deutschlands seit der Befreiung
vom Faschismus befohlen und zu verantworten. Diesen beiden Parteien, die -
wie die Grünen - aus der Friedensbewegung entstanden sind oder sich - wie
die SPD - auf diese Traditionen und Traditionen der ArbeiterInnenbewegung
berufen, haben mit dem Angriff auf Jugoslawien eine Grenze überschritten,
die zwar von der vorhergehenden CDU/FDP-Bundesregierung schon weitgehend
durchlöchert war, deren völlige Mißachtung die parlamentarische
Rechte aber nicht derart reibungslos hätte durchsetzen können. Die
Kosten für die Durchführung des Krieges und seiner Folgen werden der
arbeitenden Bevölkerung aufgebürdet. Sozialleistungen werden
gestrichen oder gekürzt und die Bevölkerung zu Spenden für die
Opfer des Krieges aufgerufen.
| "Uns treibt
nicht Eroberungslust ... Aus den Schriftstücken, die Ihnen zugegangen
sind, werden Sie ersehen, wie meine Regierung ... bis zum letzten Augenblick
bemüht war, das Äußerste abzuwenden. In aufgedrungener Notwehr
... ergreifen wir das Schwert"
Kaiser Wilhelm II., 4. August 1914
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Die Verwandlung einstiger BündnispartnerInnen aus der Friedensbewegung
in kriegsgeile Hurrapatrioten und die Dämonisierung des gewählten
sozialdemokratischen Regierungschefs in Belgrad hat große Teile der
Linken, der Friedensbewegung und darüber hinausgehende Teile der
Gesellschaft verwirrt und so das spontane Entstehen einer starken
Anti-Kriegs-Bewegung erschwert.
Wir begrüßen das Auftreten von Mitgliedern aus SPD und
Grünen gegen den NATO-Angriffskrieg. Wir müssen aber feststellen,
daß auch diese Mitglieder Verantwortung für die Kriegspolitik ihrer
Parteien tragen. Wenn es den KriegsgegnerInnen in SPD und Grünen nicht
gelingt, eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse und der Politik
ihrer Parteien zu erreichen, müssen sie sich fragen lassen, was sie in
diesen Parteien noch verloren haben. Wir brauchen keine pazifistischen
Feigenblätter in den Kriegsparteien! In der Frage von Krieg und Frieden
kann es keine Kompromisse geben, selbst wenn der Verlust von Mandaten und
Posten schmerzen sollte.
Der Angriffskrieg der NATO hat in Jugoslawien bereits Schäden in
Höhe von mehr als 100 Milliarden Dollar verursacht, von den menschlichen
Opfern, dem Leid der Zivilbevölkerung ganz zu schweigen. Wir fordern
die sofortige Einstellung des Krieges und den Rückzug aller NATO-Truppen,
um die Möglichkeit einer friedlichen innerjugoslawischen Lösung des
Konfliktes ohne imperialistische Diktate zu eröffnen. Die Aggressoren
sind zu Reparationsleistungen an Jugoslawien für dessen Wiederaufbau in
voller Höhe des verursachten Schadens verpflichtet!
Wir fordern die sofortige Beendigung der Unterstützung der UCK durch
Deutschland und andere NATO-Staaten. Die UCK verfolgt das Ziel eines
"rein" albanischen Kosovo innerhalb von
"Groß-Albanien". Das ist ein chauvinistisches Projekt. Dagegen
unterstützen wir die Forderung nach Autonomie und völliger
Gleichberechtigung aller in Kosovo und Metohija (Kosmet) lebenden Menschen,
unabhängig von ihrer Nationalität und ohne eine weitere
Zerstückelung Jugoslawiens.
Unsere solidarischen Grüße senden wir unseren KommilitonInnen in
Jugoslawien, die wie viele andere Menschen Opfer des Angriffskrieges werden und
der jugoslawischen Bevölkerung, die mit gewaltfreien Aktionen ihren
Protest gegen die NATO-Aggression bekundet, so durch die täglichen
Konzerte und Brückenbesetzungen in Belgrad, Novi Sad und anderen
Städten, wie auch denen, die militärisch Widerstand gegen den
Angriffskrieg der NATO leisten.
Wir rufen alle Studentinnen und Studenten, alle Menschen, die in diesem
Lande leben, auf:
- Sabotiert den Krieg - Behindert seine Durchführung!
- Schließt Euch zusammen, um den Widerstand gegen den Krieg zu
organisieren!
- Geht auf die Straße, verweigert den Kriegsdienst, den Einsatz gegen
Jugoslawien und jede "zivile" Kriegsunterstützung. Keine
Forschung im Dienste des Militärs!
Es gibt kein ruhiges Hinterland!
Schluß mit dem Krieg! Widerstand jetzt!
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