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Emil Carlebach

Der serbische Aggressor

Der serbische Aggressor - so hörten es die Fernsehzuschauer der ZDF-Nachrichtensendung "Heute" am 27. Juli 1998 um 19.00 Uhr. Keine Begründung war notwendig, kein Kommentar; es war - angeblich - eine einfache unparteiische Nachrichtensendung.

Da wird in einem souveränen Staat unter Verschiebung nationaler Beschwerden zunächst kulturelle, dann auch politische Autonomie gefordert; dann entwickelt sich daraus eine Forderung zum Separatismus. Dann entsteht eine "militante" Gruppe. Diese erhält Geld und Waffen und "Freiwillige" aus Albanien - und aus Deutschland (!). Und während die NATO-Staaten "zögern", daraus einen Balkan-Krieg sich entwickeln zu lassen, reist ein Mann als selbsternannter Schiedsrichter tagein, tagaus durch das vom Kriegsbrand bedrohte Gebiet und fordert bewaffneten Einmarsch: Herr Kinkel. der deutsche Außenminister.

Wer die jüngste europäische Geschichte kennt, erkennt das Drehbuch der Sudeten-"Krise" von 1938: zunächst Klagen über "Unterdrückung" der (deutschen - heute albanischen) Minderheit; dann Forderung nach einer kulturellen, dann der politischen Autonomie. Dann Separatismus, Abtrennung von der CSR (heute: von Jugoslawien). Im Hintergrund die deutsche Politik der Stärke, Hitler (heute Kinkel) schaltet sich ein das Ergebnis ist bekannt. Wenn irgendein Staat Grund hat, sich aus diesem Szenarium herauszuhalten dann ist es Deutschland:
Einsatz der Staatsgewalt gegen eine meuternde Provinz? Deutschland hat es zwei Mal vorexerziert: 1923, als die Länder Sachsen und Thüringen es wagten, mit parlamentarische Mehrheit eine Linksregierung aus SPD und KPD ins Amt zu berufen. Da schickte der sozialdemokratische Reichspräsident Ebert die Reichswehr mit Artillerie und MGs nach Weimar und Dresden und ließ die gewählten Minister verjagen. Wohlgennerkt : Niemand hatte Autonomie oder gar Lostrennung verlangt - aber der kommandierende Reichswehrgeneral hatte sich über die Regierungsbildung beschwert.

Und 1932: Da schickte Eberts Nachfolger Hindenburg einen Leutnant mit drei Mann und ließ Eberts Parteifreunde in Preußen davonjagen (Ein Einmarsch wir nicht nötig; die "Helden" kapitulierten feiwillig, nachdem ihnen die Ministerpensionen zugesichert worden waren).

Aber dieser Kinkel spielt sich auf, als ob er - ausgerechnet er als Vertreter eines Staates, der schon zwei Mal (und zwar vor Hitlers Machtantritt) das Beispiel gegeben hatte, wie man mit dem Prinzip "Reichsrecht bricht Landesrecht" umgeht -, ausgerechnet dieser Kinkel reist mit der Kriegsfackel in der Hand als Friedensstifter auf dem Balkan umher.

Und die deutsche Presse? Der Funk? Das Fernsehen? Für alle, die Tag für Tag und Abend für Abend mit "objektiven und unparteiischen" Nachrichten kriegsreif gemacht werden, eine Erinnerung:

Am 10. November 1938, die Wehrmacht marschierte gerade in die Tschechoslowakei ein, gab Hitler den Chefredakteuren der deutschen Presse die Richtlinien für die Bearbeitung ihrer Leser: "Es war nunmehr notwendig, das deutsche Volk psychologisch allmählich umzustellen und ihm langsam klarzumachen, daß es Dinge gibt, die, wenn sie nicht mit friedlichen Mitteln durchgesetzt werden können, mit Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden müssen. (Hört Ihr, Karsten Voigt und Joschka Fischer??) Dazu war es aber notwendig. nicht etwa nun die Gewalt als solche zu propagieren, sondern es war notwendig, dem deutschen Volk bestimmte außenpolitische Vorgänge so zu beleuchten, daß die innere Stimme des Volkes selbst langsam nach der Gewalt zu schreien begann. Das heißt also, bestimmte Vorgänge so zu beleuchten, daß im Gehirn der breiten Masse ganz automatisch die Überzeugung ausgelöst wurde, wenn man das eben nicht im Guten abstellen kann, dann muß es mit Gewalt abgestellt werden". (Nachzulesen in Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte. Stuttgart 1958, Seite 182).

 

Hängt Euch das Hitler-Zitat über den Fernsehempfänger, damit Ihr Abend für Abend die Sendungen RICHTIG lesen könnt...

 

Gastkolumne Emil Carlebach in der UZ vom 7.8.1998


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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