SPD-Wahlkampfauftakt in Dortmund
Ein Volksfest in Kriegszeiten
Mit einem Volksfest im Revierpark Wischlingen in Dortmund eröffnete die
SPD am 8. Mai ihren Europa-Wahlkampf.
10 000 SPD-Freunde flanierten im Sonnenschein an SPD-Werbeständen,
Bier- und Würstchen-Buden vorbei. Die Transparente von Kriegsgegnem auf
dem Platz empfanden viele eher als störend. Manche fragten sich offenbar,
was die SPD mit dem Krieg zu tun hätte. Kleine Denkzettel mit dem Hinweis
"8. Mai 1945: Befreiung von Faschismus und Krieg,
8. Mai 1999: Krieg und Geschichtsfälschung mit der SPD"
irritierten so manchen Besucher. Daneben gab es allerdings auch eine Reihe von
Gesprächen und Diskussionen, Nachdenklichkeit und Zustimmung.
Dann kam der Chef persönlich: Gerhard Schröder, der gerade noch
bei der Autogrammstunde von Fans umringt war, sollte auf der Hauptbühne
reden. Eingeleitet wurde der SPD-Chef mit dem Karnevalshit "Die Karawane
zieht weiter, der Sultan hat Durst".
Ob der Kanzler Durst hatte, ließ sich schlecht feststellen, aber Wut
hatte er auf jeden Fall. Die Sprechchöre der Kriegsgegner wollten einfach
nicht leiser werden. "Mörder, Mörder" und "Deutsche
Waffen, deutsches Geld morden mit in aller Welt" ertönte es über
den Platz. Gerhard Schröder reagierte ungehalten: "Schämen
solltet ihr euch, hier solche Spräche zu machen! Ihr habt die Demokratie,
die sich die Menschen im Kosovo wünschen!", brüllte er ins
Mikro. Dann bemühte er sich zu erklären, warum gerade deutsche
Soldaten die Pflicht hätten, den Frieden Europas zu sichern. Das sei die
Lehre aus unserer schwierigen Geschichte.
Die Sprechchöre und Pfiffe wurden nicht leiser. "Anstatt hier zu
pfeifen, solltet ihr Euch lieber eine anständige Ausbildung suchen",
appellierte der Kanzler an die Protestierenden und begann, die vermeintlichen
Erfolge des "Sofortprogramms" für 100 000 Jobs zu feiern.
Und trotz der Schatten, die sich offensichtlich über die
Jubelveranstaltung gelegt hatten, ließ Gerhard Schröder es sich
nicht nehmen, am Ende seiner Rede noch einige Minuten mit erhobenen Armen in
Siegerpose auf der Bühne auszuharren. Sein Gesicht allerdings wollte sich
nicht mehr so recht entspannen.
W. R.
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