Vorkämpfer einer neuen, besseren Ordnung
Notiz des Gesandten Cecil von Renthe-Fink vom 9. September 1943 (Auszug)
1. In dem gewaltigen Ringen um die Zukunft Europas erscheinen wir als
Vorkämpfer einer neuen, besseren Ordnung, in der alle europäischen
Völker einen gerechten und würdigen Platz finden werden. Bisher
hatten wir es vermieden, in der europäischen Frage mit einem konkreten
Vorschlag hervorzutreten. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die
Frage, was Deutschland in Europa vorhat, die europäischen Völker aufs
stärkste bewegt und ihre Haltung entscheidend bestimmt. Zugleich verlangt
die Lage gebieterisch die äußerste Anspannung aller Kräfte
Europas für unseren Sieg. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit,
für die Neuordnung Europas einen Plan zu entwickeln, der geeignet ist, den
europäischen Völkern einen Ansporn zu geben, durch ihre Leistung zu
unserem Sieg beizutragen. Ihre Befürchtung, daß nach dem Sieg
Deutschland von seiner Macht rücksichtslosen Gebrauch machen würde,
müßte zerstreut werden.
2. Wenn wir jetzt den Gedanken einer staatenbundlichen Lösung,
beruhend auf freiwilliger Zusammenarbeit selbständiger Nationen, aufnehmen
würden, so würde bestimmt das Vertrauen der europäischen
Völker in unsere Politik gefestigt und ihre Bereitwilligkeit erhöht
werden, unserer Führung zu folgen und für unseren Sieg zu schaffen.
Diejenigen Kräfte in Europa, die den Bolschewismus fürchten, sich
aber durch Deutschland bedroht fühlten, würden künftig weniger
versucht sein, nach den mit den Bolschewisten verbündeten Angelsachsen zu
schielen. In den besiegten Ländern würde es mit der klaren
europäischen Parole, wie sie der europäische Staatenbund bedeutet,
möglich sein, mehr Männer für die Waffen-SS zu rekrutieren, die
dann zusätzlich für unseren Kampf zur Verfügung stehen. Wir
hätten die Grundlage für einen konstruktiven Plan, der eine positive
und wirkungsvolle Propaganda ermöglichen würde ...
Vollständiger Text in: Anatomie der Aggression, S. 198-203
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