Aktuelles

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Während Karstadt als Spielball von Spekulanten nicht aus den Schlagzeilen kommt, eröffnen in Gießen die Kaufhäuser Röther und C&A im ehemaligen Horten/Galeria-Kaufhof-Gebäude. Es kann gewettet werden, welches nächste Gießener Einzelhandelsunternehmen baden geht.

Die Expansion des Karstadt-Konzerns in Gießen hatte bereits in den 50er und 60er Jahren viele Fachgeschäfte in den Ruin getrieben. Mit der Eröffnung von Horten im Oktober 1976 – als drittes Warenhaus mit 500 Arbeitsplätzen groß gefeiert – nahm das Einzelhandelssterben zu.

Anfang der 80er Jahre wurden nicht nur bei Karstadt und Horten Beschäftigte entlassen.

Verstärkt wurde die Entwicklung durch die Ausweitung der Öffnungszeiten an Sonntagen, dann donnerstags und schließlich generell. Das verursachte vielen Geschäften zusätzliche Kosten, brachte aber nicht mehr Umsatz. Seit den 90er Jahren gibt es in der Fußgängerzone vorwiegend Klamotten-, Ramsch- und Handy-Läden. Auch der Versuch, in der Westanlage mit der Dern-Passage 1993 eine „Mall“ zu etablieren, schlug fehl; nach mehreren Wechseln und Pleiten steht der gesamte Komplex (bis auf eine Mucki-Bude) leer.

Diese planlose. chaotische Entwicklung setzte sich 2002 fort mit der Schließung des Kaufhauses Kerber (heute TK-maxx) und der Eröffnung des Monstrums „Galeria Neustädter Tor“ am Oßwaldsgarten. Dieses Projekt, das gegen den Willen breiter Teile der Bevölkerung und der angrenzenden Schulen durchgesetzt wurde, hat sich erwartungsgemäß als Flop erwiesen. Die folgende Schließung von Horten war abzusehen wie auch der ständige Wechsel und die Leerstände in der „Galeria“.

Konkurrenzkampf und Profitprinzip sind mit den Bedürfnissen der Menschen nicht vereinbar. Statt eine vernünftige Struktur des Einzelhandels zu planen, wird dem Chaos des „Marktes“ freie Hand gelassen – zu Lasten der Kunden und der Beschäftigten.

In einer Stadt in der Größenordnung wie Gießen sollte es möglich sein, alle notwendigen Dinge des täglichen Lebens in der Innenstadt kaufen zu können.

Aber auch dazu bedarf es einer Gesellschaftsordnung, in der nach den Interessen der Menschen geplant und gehandelt wird – und das in allen Bereichen: im Gesundheits- und Bildungswesen ebenso wie in der Versorgung mit erforderlichen Dienstleistungen und Infrastrukturen, einer sozialistischen Gesellschaft.   M. Beltz

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Dem Vergessen entreißen

Am Samstag, dem 7. März um 15:00 Uhr fand die Benennung des Platzes vor dem Dörnigheimer Frankfurter Hof in Käthe-Jonas-Platz statt. Bekanntlich hatte das Maintaler Stadtparlament der Umbenennung des Areals Kennedy- Ecke Karl-Leis-Straße am 8. Dezember letzten Jahres zugestimmt.

 

Mit diesem im Stadtbild markanten Zeichen wird an den Arbeiterwiderstand gegen die Nazi-Diktatur eine bleibende Erinnerung gesetzt und dem Vergessen entrissen werden. Der DGB hatte diesen Vorschlag zum Anlass des 80 Jahrestags des Prozesses gegen 88 Nazi-Gegner im Jahr 1935, von denen alleine zehn aus der damaligen selbstständigen Gemeinde Dörnigheim kamen, angeregt. Stellvertretend für diese Widerstandskämpfer steht der Name Käthe Jonas, die damals mit drei Jahren Zuchthaus die höchste Strafe der Dörnigheimer erhielt. Schon im Februar 1933 war Käthe Jonas verhaftet worden, weil sie für die Kommunistische Partei Deutschlands zum Gemeindeparlament und Kreistag kandidierte. 1944 wurde sie in das Frauen-KZ Ravensbrück nördlich von Berlin verschleppt und auf einen der berüchtigten Todesmärsche getrieben.

 

Der Platz vor dem Frankfurter Hof wurde deshalb ins Auge gefasst, weil sich in diesem Lokal (jetzige Pizzeria) vor der Nazi-Zeit die Arbeitervereine und die Arbeiterparteien SPD und KPD trafen. In der damals knapp 3.000 Einwohner zählenden Gemeinde Dörnigheim wohnten die zehn hiesigen Angeklagten in unmittelbarer Nähe.

 

Mit seinem Vorschlag zur Benennung fand der DGB breite Zustimmung. So schlossen sich das Brüder-Schönfeld-Forum, der Heimatmuseumsverein und der Geschichtsverein Dörnigheim dem Ansinnen an. Eine sehr aktive Rolle nahm auch der Frauenbeirat der Stadt Maintal ein. Von den Frauen kam auch der Vorschlag, den 7. März als Datum der Einweihung zu nehmen, und so die Aktion in den Rahmen der Frauenwochen um den Internationalen Frauentag einzubinden. Sogar aus Frankreich sagte die Präsidentin des Internationalen Ravensbrück Komitees ihre Unterstützung des Vorhabens zu. Zuspruch gab es auch von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und des Studienkreises Deutscher Widerstand. Aufgrund eines gemeinsamen Antrags von SPD, Grünen und WAM beschloss das Maintaler Stadtparlament am 8. Dezember die Platzbenennung, der sich dabei auch die örtliche FDP anschloss.

 

Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch eine künstlerische Darstellung an Käthe Jonas, an die Verfolgungen durch die braunen Machthaber und den Widerstand gegen die Nazi-Diktatur auf dem Platz installiert werden. Ein Entwurf dazu ist in Arbeit. In einer öffentlichen Versammlung der Unterstützer soll dieser Entwurf vorgestellt und darüber beraten werden. Um dieses Vorhaben zu realisieren wollen die Unterstützer um weitere Spenden werben. Bisher sind schon etliche Zuwendungen von Privatpersonen beim Brüder-Schönfeld-Forum eingegangen. Wer möchte, kann diese Spende bei der Platzbenennung am 7. März entrichten.

 

Presseerklärung

Mit freundlichen Grüßen:

Ihr DGB Ortsverband Maintal

i.A.: Klaus Seibert

 

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Es ist an der Zeit, die Kommunistin und Antifaschistin Ria Deeg mit einem Gedenkstein zu ehren. Straßen wurden nach Antifaschisten benannt, in der Plockstraße sind drei Stelen mit den Köpfen antifaschistischer Frauen zu sehen. Nun, 14 Jahre nach ihrem Tod am 13. August 2000, wird es Zeit, dass die Stadt Gießen mit Ria Deeg die Frau entsprechend ehrt, die für das bessere Deutschland stand und damit auch zum Ansehen unserer Stadt beiträgt. In diesem Sinne hatte Oberbürgermeister Manfred Mutz (SPD) für die Stadt im April 1987 Ria Deeg die Goldene Ehrennadel der Stadt Gießen überreicht. In seiner Rede ging er auf den Widerstand gegen die NaziDiktatur ein und zollte der Widerstandskämpferin Deeg seinen Respekt. Im März 2007 beschloss die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gießen einstimmig, „in diesem Jahr aus Anlass des 100jährigen Geburtstages von Ria Deeg die Gießener Widerstandskämpferin und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus zu würdigen.“ Am 20. Juli 2007 hielt Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann (CDU) eine Rede in der Pankratiuskapelle. Darin führte er u.a. aus: „ Mit der heutigen Veranstaltung gedenken wir all denen, die nicht wegschauten, und erinnern an die, die wachsam blieben, ja – sogar aktiv Widerstand gegen das Naziregime leisteten .“ Und: „Diese skizzierten Rahmenbedingungen müssen uns, wenn wir heute von Widerstand gegen den Nationalsozialismus reden, immer vor Augen stehen… Und darum gedenken wir heute, am „Tag des Widerstandes“ und aus Anlass des 100. Geburtstages von Ria Deeg nicht nur denen, die aktiv Widerstand zu leisten vermochten, sondern auch all denen, die sich angesichts des NS-Terrors nicht abwandten und wachsam blieben. Wir erinnern damit an diejenigen, die sich von dem verbrecherischen Naziregime nicht vereinnahmen ließen, und alleine schon dadurch zu Opfern wurden, die verfolgt, gestraft und hingerichtet wurden.“
Michael Beltz

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